Pressebericht Basel Express

Ich bin ein sehr grosser Fan von Schweizer Klavieren

Gottfried Hagen

Die Anfahrt zu Piano Hagen in Auggen, gelegen im alemannischen Dreiländer-Eck, war sehr entspannend, denn die Route führte durch eine wunderschöne Landschaft. An einem Sommertag mit stahlendem Sonnenschein, umringt von Wiesen, Obstbäumen und Rebbergen, entpuppte sich diese Autofahrt als die reinste Erholung. Angekommen im bekan ntesten Weinort des Markgräflerlandes, beeindruckten auf Anhieb die malerischen Riegelhäuser. Auf der Suche nach einem Parkplatz staunte ich nicht schlecht - es gibt weder blaue noch weisse Parkzonen, man kann sein Auto einfach kostenfrei parkieren!

Gottfried Hagen begrüsst mich vor seinem Laden und schmunzelt über meine Verblüffung wegen des unkomplizierten Parkens. Beim Betreten der Räumlichkeiten von Piano Hagen erlebe ich eine echte Überraschung und staune ein weiteres Mal, denn in einem solch munzigen Dörfchen hätte ich niemals eine derartig riesige Ausstellung von Klavieren und Flügeln erwartet. Herr Hagen spürt meine spontane Faszination an den Instrumenten und führt mich sogleich herum. Noch nie hatte ich so viele und vor allem so schöne Klaviere und Flügel an einem Ort gesehen!

Ein gut ausgesuchtes Sortiment

Da hat es liebevoll und mit grosser Handwerkskunst restaurierte Objekte, oft mehr als 100 Jahre alt, aber auch neue mit Technik ausgerüstete Instrumente für jeden Anspruch. Vom Einsteiger- bis zum Profiinstrument ist hier alles zu haben. 15 Flügel und 30 Klaviere stehen für potenzielle Käufer bereit, sage und schreibe 150 Objekte schlummern unrestauriert im Lager und warten darauf, dass ihnen neues Leben eingehaucht wird. Darunter befinden sich viele Schweizer Klaviermarken, die bis vor ein paar Jahrzehnten noch vollumfänglich in der Schweiz hergestellt wurden. «Einige von meinen gesamthaft 40 Berufsjahren habe ich in der Schweiz gearbeitet und wegen der Grenznähe habe ich natürlich nicht wenige Kunden und Käufer aus der Schweiz», erklärt Gottfried Hagen, «und ich schätze seit jeher Schweizer Klaviere wirklich sehr!»
Ein Bechsteinflügel aus Palisander war schuld

Als Theologiestudent kam Herr Hagen eher zufällig zu einem der ältesten deutschen Bechsteinflügel aus dem Jahre 1867, ein schönes Stück aus Palisanderholz, aber total renovationsbedürftig. Damals fehlten ihm die finanziellen Mittel es renovieren zu lassen, so machte er sich selbst ans Werk. Heute, nach seinen vier Jahrzehnten Tätigkeit in diesem schönen Kunsthandwerk, steht man einem Menschen gegenüber, dessen innere Zufriedenheit mit sich und seinem Tun fast greifbar ist. «Ich habe nie einen grösseren Betrieb angestrebt, wollte immer alles selber machen und mir meinen Idealismus bewahren, aber vor allem wollte ich unabhängig bleiben», meint der Klavierbauer nachdenklich. Vor zehn Jahren hat er sich dann doch entschlossen mit jemandem zusammenzuarbeiten, denn der Arbeitsumfang nahm stetig zu. Russel Bird kam als Klavierlehrer in die Gegend, fand eine Frau, gründete eine Familie und sattelte beruflich zum Klaviertechniker um. Auf meine Frage, ob in diesem Job das Klavierspielen eine Voraussetzung sei, meinen beide einstimmig: «Es ist immer ein Vorteil gut Klavierspielen zu können!»
Ein schönes Stück mit viel Charisma

Immer wieder zieht es mich fast schon magisch zu einem 100 Jahre alten Flügel der renommierten Marke Steinway. In unzähligen Arbeitsstunden wurde dieser total renoviert, unter anderem bekam er eine neue Tastatur aus Mammutstosszähnen. Gottfried Hagen öffnet den Deckel und zeigt mir dessen Innenleben. «Das Stimmen ist keine leichte Sache, Radio und Staubsauger sind dabei meine erklärten Todfeinde», und etwas ernster fährt er fort, «die Intonation ist Arbeit an der Seele des Instruments, es braucht Begabung und Vision um einen ausgeglichenen Klang und eine gleichmässige Spielart hinzubekommen!»

Die Werkstattführung

PIANOHAGEN Werkstatt

Russel Bird zeigt mir stolz die Werkstatt und erklärt mir die hauseigene Basssaitenspinnmaschine. «Wir haben ein sehr breites Arbeitsspektrum, rund um ein Klavier machen wir praktisch alles», resümiert er. Oft sind Schreiner- und Oberflächenarbeiten bei der Instandsetzung eines Klaviers vonnöten. Auch die eher selten gewordene Schellack-Handpolitur wird von den beiden virtuosen Klaviertechnikern noch fachmännisch angewandt. Schon eine kleine Revision kann einem Instrument neues Leben verleihen und einen völlig neuen Klangcharakter hervorheben.
Autonomes Arbeiten ohne Fremdfirmen

Piano Hagen verfügt nicht nur über ein eigenes Transportfahrzeug, sie sind auch mit einer Transportraupe ausgerüstet. Dieses Treppenfahrzeug mit Gummiketten braucht es für die komplizierteren Transporte. So ist man nicht auf eine Fremdfirma angewiesen, kann spontan und kurzfristig reagieren und entsprechend handeln. Ein Flügel wurde sogar einmal bis nach Halifax in Kanada verkauft und geliefert!
Eine besondere Freundschaft

Eine Legende in Sachen Klaviertechnik ist der heute 88-jährige Franz Mohr. Viele namhafte Pianisten, wie etwa Horowitz, Rubinstein oder Gould gaben kein Konzert, wenn nicht er vorher den Flügel gestimmt hatte. Seit vielen Jahren pflegt Gottfried Hagen mit ihm eine Freundschaft der besonderen Art und lädt diese hochrangige Kapazität gerne für Vorträge ins beschauliche Auggen ein.gr

Apropos Events: Jeden Herbst werden in den Verkaufsräumen von Piano Hagen mehrere Konzerte veranstaltet!

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